Wachstumsforum

Juli 2017

Wachstumsforum 2017

Gesund wachsen

Medizintechniker Qiagen und Roche zu Gast beim 8. Deutschen Wachstumsforum „Mit Dienstleistungen die Wettbewerbsposition stärken“. Wie die schwierigste Branche Deutschlands die Digitalisierung nutzt.

„90 Prozent aller Medizindaten der Menschheitsgeschichte stammen aus den vergangenen zwei Jahren.“ Was eine Datenflut ist, weiß Peer M. Schatz, Vorstandsvorsitzender von Qiagen, ganz genau. Daraus neues Geschäft zu generieren ist seine größte Herausforderung. 

Erst recht in der Gesundheitswirtschaft, die unter Dauerdruck durch hohe Entwicklungskosten, steigende regulatorische Auflagen und strenger Preisbindung ächzt. Schatz macht seinen Mitarbeitern klare Vorgaben, um in der Datenflut nicht unterzugehen: „Entscheidend ist, klar zu quantifizieren, was wir erreichen wollen: nämlich 50 Prozent der Wertgewinnung muss in der Zukunft digital sein“.

Die Aufmerksamkeit der rund 60 Top-Manager beim 8. Deutschen Wachstumsforum der SMP AG war ihm bei dieser Ausgangslage am 12. Juli 2017 gewiss. Schatz warnte: „Nur zwei Prozent ihres Umsatzes investiert die Gesundheitswirtschaft bisher weltweit in Datenerhebungen. Das heißt: Wir fahren in vielen Bereichen komplett blind.“ 

Warum er auf agile Teams am eigenen Standort statt auf Startups in Berlin setzt, weshalb Townhall Meetings wichtig bleiben und wie aus einem internen 48 Stunden-Hackathon vier Geschäftsideen mit einem Marktvolumen von zwei Millionen Dollar entstanden - auch das berichtete Schatz. Und wo er die größte Bedrohung für Qiagen sieht: „Mit großen Konkurrenten können wir umgehen, aber wir richten immer vier Augen auf die kleinen.“

Auch Lars Kalfhaus, Geschäftsführer der Roche Diabetes Care, gab im Düsseldorfer Hyatt Einblicke in seine größten strategischen Aufgaben:  „Bringen Sie einem ingenieurgetriebenem Konzern mal bei, dass in der Zukunft nicht mehr die Genauigkeit einer Messung über den Erfolg des Unternehmens entscheiden wird. Sondern dass es die Verwendung von Daten durch Informatiker oder Psychologen sein wird“. 

Am Beispiel Roche warnte er, wie grundlegend die Digitalisierung Kundenbeziehung verändert: „In Zukunft wird nicht mehr der Kranke unser Kunde sein, der unsere Blutzuckermessgeräte nutzt. Unser Kunde wird dessen Krankenkasse sein, der wir dank der Auswertung seiner Daten die messbar bessere Versorgung ihres Kunden anbieten“. 

Er erwartet zudem, dass sich die finanziellen Risiken der Patientenversorgung vom Gesundheitssystem auf die Industrie verlagern. Ein Thema nicht nur in seiner Branche.

Genügend Gesprächsstoff also für eine angeregte Diskussion der Gäste mit den Rednern.

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